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Weihnachtskonzerte des Max-Reger-Gymnasiums 2011
An gleich drei aufeinander folgenden Abenden lud das Max-Reger-Gymnasium zu seinen Adventskonzerten ein. Das facettenreiche und überaus ambitionierte Programm, das von den jungen Musikern der Schule seinen Zuhörern geboten wurde, belegte in beeindruckender Weise den hohen künstlerischen Anspruch des Gymnasiums und strich das in der Amberger Schullandschaft einmalige Profil einer vertieften musisch-ästhetischen Bildung klar heraus.
Den ersten Konzertabend eröffneten im Festsaal der Schule die jungen Sänger des Unterstufenchores unter Leitung von Wolfgang Herrneder. Bei traditionellen Weihnachtsliedern in interessanten Arrangements zeigten die Kinder ihre Musikalität und schon recht gut entwickelte Fähigkeit zum differenzierten Ausdruck; besonders gefiel das balladeske „Lied vom Friedenslicht“, mit dem der Chor weihnachtliche Stimmung im Auditorium verbreitete. Stimmungsvoll-sentimentalisch setzte das Violinensemble unter Leitung von Richard Hubert eine Streicherbearbeitung von Franz Schuberts Klavierlied „Ständchen“ um; die klare musikalische Vorstellung der Geigerinnen erlaubte eine Interpretation, die Schuberts dramatisierende Momente klar zu Ausdruck brachte. Vital-sportiv hingegen zeigten sich die vier Flötisten Max Grötsch, Marie Hanke, Franziska Pfab und Kathi Weiß (alle q11). Die Klarheit im programmatischen Ausdruck, mit der sie Faustin Jeanjeans „Ski-Symphonie“ interpretierten, konnte vollauf überzeugen. Ihre technische Versiertheit und die spürbare Energie machten dieses außergewöhnliche Werk zu einem echten Erlebnis. Mit ihrem unprätentiösen Gestus und ihrem reifen musikalischen Verständnis gelang es der Saxophonistin Verena Schwager (q12), den optimistischen Melos von Telemanns Sonate Es-Dur stimmig offenzulegen. Zum Abschluss des ersten Konzertabends spannte das Vororchester unter Ulrike Straub einen mit viel Charme inszenierten narrativen Bogen von der Geschichte des Rentiers Rudolph bis hin zu Humperdincks „Abendsegen“.
Am zweiten Abend lud das MRG in den Kongregationssaal ein, der die kongeniale Kulisse bot für ein Konzertereignis, das weit über dem für ein Gymnasium erwartbaren Niveau lag. Den symphonischen Auftakt setzte das Orchester des MRG unter der Stabführung von Marianne Feldmeier-Zeidler. Mit dem 1. Satz aus Schuberts Symphonie Nr. 6 hat sich das Ensemble ein ehrgeiziges Ziel gesteckt – und reüssierte in beeindruckender Weise. Das perfekt aufeinander abgestimmte Zusammenwirken der einzelnen Stimmgruppen und die klar strukturierte Entwicklung von der hymnischen Einleitung zum prachtvollen Hauptthema dokumentierte die hohe Spielkultur des Ensembles. Ein intimer Höhepunkt des Konzerts waren gewiss die drei Sätze aus der Suite C-Dur BWV 1009 für Solocello von J. S. Bach. Tobias Schulien (10d) erfasste die Substanz des Werkes in analytischer Klarheit und konnte sie technisch brillant umsetzen; seine Interpretation war frei von jeglicher Belanglosigkeit, vielmehr machte sie die Plastizität dieses auch intellektuell herausfordernden Werkes zugänglich. Bravo! Viel Esprit zeigte das Saxophonquartett Eva-Maria Ehbauer, Christian Weich (beide q11), Stefanie Rumpler (10c) und Valentina Klug (10b): Karl Jenkins „Palladio“, eine Komposition aus dem Jahre 1996, profilierten die vier Bläser mit sprühend-pulsierendem Enthusiasmus. Einen emphatischen Akzent setzten Florian Füger (q12) an der Trompete und Christian Farnbauer an der Orgel. Das Duo evozierte mit T. Albinonis Sonata Nr. 11 „St. Marc“ ein Momentum sakraler Erhabenheit. Einen echten Kontrast dazu bot das Bläserensemble unter der Leitung von Thomas Prechtl. Bekannte Weihnachtslieder wie „Frosty the Snow Man“ erfuhren eine jazzige Dekonstruktion, die nicht frei von scherzender Ironie improvisiert worden ist. Die so vom naiven Chart-Kitsch befreiten Songs rissen das Publikum mit und zeigten die Vielfalt des musikalischen Könnens der MRG-Schüler. Den Abschluss dieses Konzerts zu bilden, war Aufgabe des Gemischten Chores unter Leitung von Michaela Treese. Ein wahrhaft mystisches Klanggemälde etablierte der Chor mit Lauridsens wundervollen Marienlob „O magnum mysterium“: Die Entwicklungslinien dieses bis zu zehnstimmigen Satzes vom introvertiert Verklärten bis hin zum ekstatischen Lobpreis forderten die gesamte dynamische und artikulatorische Bandbreite der agilen Stimmen heraus. Zu welcher Leistung die jungen Sänger in der Lage sind, bewiesen sie eindrucksvoll bei J. Chr. Bachs Motette „Ich lieg und schlafe ganz mit Frieden“; in diesem tiefgründigen Werk gelang es dem Chor, die weite Klammer zwischen vertrauender Ruhe und optimistischer Heilszuversicht herauszuarbeiten. Bewundernswert, die lockere Beweglichkeit der Stimmen und die Konzentration aller Sänger in dem sehr eng geführten Fugen-Satz! Mit Rochus Dedlers „Jubilate Deo in laetitia“ setzte das Ensemble den strahlend-festlichen Schlusspunkt. Die jubilierende Melismatik dieses Satzes kam dabei dem jugendlichen Drive der Sänger sehr entgegen; konnten sie doch ein wahrlich furioses Finale mit bemerkenswerter Strahlkraft und doch betonter Schlankheit in der vokalen Führung setzen.
Bei einem solch beeindruckenden Konzerterlebnis musste man sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass es Schüler waren, die diese sagenhafte Leistung erbracht haben – war man doch sehr rasch geneigt, in professionellen Kategorien die Darbietungen der Gymnasiasten zu bemessen. Hohe Professionalität stellte auch die mittlerweile vielfach ausgezeichnete Pianistin Eva Wilde (q12) unter Beweis: Am dritten und letzten Konzertabend, der in den Räumlichkeiten der HAW Amberg stattfand, komplettierte das Ausnahmetalent die Konzertreihe. Im 1. Satz aus Mozarts Klavierkonzert Es-Dur KV 482 stellte Wilde in ihrer gewohnt souveränen und dennoch ganz und gar einfühlenden Art einen bezaubernden Mozart vor, von dem man gerne mehr gehört hätte! Kurzum, diese drei „Schulkonzerte“ waren in jedweder Hinsicht eine wirkliche Bereicherung des kulturellen Lebens Ambergs. Man wird wohl noch viel von diesen jungen Musici erwarten dürfen! Das jedenfalls wäre zu wünschen.
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